Reiseberichte und Rückblicke


Fotoreise: Namibia 2014

Ich bin aufgeregt! – So oft war ich schon in Namibia unterwegs, und jetzt bin ich aufgeregt? Wir haben einen sehr erfahrenen und ortskundigen Guide dabei. Niemand strahlt so viel Ruhe und Souveränität aus wie Zulu. Wir haben bereits das Sossusvlei im besten Fotolicht ausgiebig fotografieren können. Wir haben die Skelettküste mit einem auf Grund gelaufenen Fischtrawler in stürmischer See und Abertausende von Zwergseebären erleben dürfen. An der Spitzkoppe hat sich nachts die Milchstraße über uns hinwegbewegt. Wir haben die seltenen Wüstenelefanten in den Trockenflusstälern fotografiert und die epische Weite und Schönheit der afrikanischen Wüste erlebt.


Eigentlich alles bestens – und dennoch bin ich aufgeregt! Warum nur? Es gibt zwei Gründe: Der eine Grund ist, dass ich endlich wieder mein geliebtes Hartmannstal werde besuchen können! So abgelegen, so schwer zu erreichen, dass ich nicht jedes Jahr dort hinfahren kann! Aber auch so faszinierend, so erhaben schön und einzigartig, dass sich meine Seele danach sehnt, diesen Ort endlich wieder zu erreichen. Wird dieses entlegene Stück Namibia noch so sein, wie es in meiner Erinnerung verankert ist? Der zweite Grund hängt mit dem „wir“ zusammen! Da muss ich kurz erklären, wer „wir“ eigentlich sind: eine kleine Gruppe von begeisterten Fotografen, die diese Fotoreise bei DIAMIR Erlebnisreisen gebucht haben, und ich, Beppo Niedermeier, Fotograf, Dokumentarfilmer, Multimediaproduzent (www.focuswelten.de) und Fotoguide auf Fernreisen. Zulu und der zweite Fahrer Teddy sind auch noch dabei. Ich bin aufgeregt, weil ich mir plötzlich nicht mehr so sicher bin, ob auch die Gäste die „Faszination Hartmannstal“ verspüren werden oder nur eine kahle, staubige und vom heißen Wind ausgeblasene Landschaft darin sehen werden. Und weil es es dieses Jahr nicht geregnet hat und sich somit nur gigantische Kiesflächen vor unseren beiden Landrovern ausbreiten. Wir haben den kleinen Weiler Orupembe hinter uns gelassen und übernachten etwa 40 km weiter nördlich in

einem kleinen Trockenflusstal. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir zum Fotografieren auf einen kleinen Hügel gestiegen und mit einem traumhaften Blick über unser Camp belohnt worden. Zurück beim Camp habe ich am Lagerfeuer meine „Fotoschüler“ um mich versammelt und wir haben die Motive der folgenden Tage am Laptop besprochen. Ein ganz besonderes Augenmerk habe ich auf die Einführung in die Zeitrafferfotografie gelegt – denn mit etwas Glück könnte sich uns ein einmaliges Motiv bieten …


Im Laufe des nächsten Tages verfliegt ganz langsam meine Aufregung, denn das Hartmannstal offenbart wieder einmal seine einzigartige spröde Schönheit, und dieser Funke springt auch sofort auf die anderen über. Wir können zahlreiche Oryxantilopen beobachten, die über die weiten Flächen ziehen. Ein Wüstenchamäleon entgeht nicht Zulus geschulten Auge, und wir erleben einen atemberaubenden Sonnenuntergang über dem Kunene, dem Grenzfluss zu Angola. Die typischen Balsambüsche bieten ein eindrucksvolles Motiv: Namibia at its best! Aber für den kommenden Morgen habe ich ein einzigartiges Motiv im Auge. Nur etwas Glück brauchen wir noch – und den Willen, bereits um 4 Uhr aufzustehen.



Als ich frühmorgens aus dem Zelt krieche und im Dunkeln in eine feuchte, neblige Nacht starre, schlägt mein Herz vor Freude schneller! Ja, das ist Nebel! Entlang des Flusslaufs des Kunene schiebt sich an manchen Tagen im Jahr eine gewaltige Nebelwalze vom Meer etwa 60 km tief ins Land hinein. Und dieser Nebel ist für die Aufrechterhaltung dieses einzigartigen Ökosystems ganz entscheidend mitverantwortlich. Und heute ist der Nebel da! Ich kenne einen Berg am Rand der Dünen, die sich parallel zum Kunene hin ziehen, und mit etwas Glück würde dieser Berg aus dem Nebelmeer herausragen. Zulu fährt uns zwischen den ersten kleinen Dünen hindurch und über eine größere Kiesfläche bis zum Rande der großen Dünen. Dann suchen wir in völliger Dunkelheit und bei dichtestem Nebel den Weg durch das Dünenfeld bis zu besagtem Berg. Atemlos kommen wir auf dem Gipfel an. Wir bauen unsere Stative auf, programmieren die Zeitraffer, und dann beginnt ein Naturschauspiel von einzigartiger Schönheit und Erhabenheit: Die Sonne geht langsam über Angola auf, der Nebel wabert und fließt zu unseren Füßen und gibt immer wieder neue Ausblicke frei. Plötzlich sehen wir anmutige Dünen aus dem Nebel aufragen! Dann werden sie wieder vom Nebel verschluckt, und an anderer Stelle werden neue Wunder der Natur freigelegt. Keiner spricht ein Wort. Alle sind mit Fotografieren beschäftigt oder betrachten ganz einfach stumm und staunend dieses einmalige Naturschauspiel. Es ist kaum in Worte zu fassen, es ist sehr schwer so zu fotografieren, dass es zu Hause nachvollziehbar wird – man muss es selbst erlebt haben! Und deshalb kehre ich 2015 mit DIAMIR und einer kleinen Gruppe Fotografen hierher zurück, an einen der schönsten Flecken auf unserer Erde!



Den Tag lassen wir mit einer Bildbesprechung unter dem Sternenhimmel Afrikas ausklingen – mit einem Beamerbild auf einer großen Leinwand zwischen den Landrovern, direkt unter der Milchstraße!

Nachtrag: Bei der Erstellung der Zeitraffer am Rechner entdeckte ich ein erstaunliches Phänomen: Frühmorgens fließt der Nebel von West nach Ost ins Landesinnere. Ab etwa 7 Uhr jedoch ändert er seine Fließrichtung und wird wieder aufs Meer hinausgezogen. Er löst sich also nicht auf, sondern kehrt zu seinem Ursprungsort zurück.